Hallo und herzlich Willkommen auf meinem Tagebuch Bangladesch.
Hier werde ich unregelmäßig von meinen Erlebnissen aus diesem spannenden Land berichten.
Diese Seite ist vor allem an (ehemalige) Kollegen und Familie gerichtet.
Sollten Sie sich aber hierher verirret haben, sind Sie gerne eingeladen!
Bangladesch und wie es begann.
Eigentlich wollte ich mich gar nicht auf die Stelle bewerben!
Nachdem ich die Stellenausschreibung lange ignoriert hatte, begann ich mit einer Recherche über Bangladesch und die Aufgabe welche mich dort erwarteten sollte. Mit diesen Informationen versorgt, habe ich die Bewerbung auf dem Internen Stellenmarkt dennoch abgeschickt, nach dem Motto: "absagen, kann man ja immer noch".
Dazu sollte man wissen, wie die GIZ Stellenbesetzung funktioniert. Wenn sich der vertraglich vereinbarte Zeitrahmen dem Ende nähert fängt man rechtzeitig an sich "intern" auf neue Projekte zu bewerben. Bei einer Passung wird man zu einem Gespräch geladen in welchem man sich nochmals persönlich vorstellt. Das Projekt hat ebenfalls die Gelegenheit seine Inhalte zu teilen.
In diesem Fachgespräch stellt sich dann relativ schnell heraus ob man zusammenarbeiten möchte oder eben nicht. Oft konnte ich schon feststellen, dass eine Zusammenarbeit nicht optimal verlaufen würde, da die Projektleitung andere Vorstellungen hat oder es besser geeignete Kandidat*innen gab.
Die Einladung zu dem Fachgespräch für Bangladesch ereilte mich unterwegs auf meiner Fahrradtour rund um Luxemburg.
Glücklicherweise konnte ich per Smartphone, mit mobilem Hotspot, an dem Gespräch teilnehmen.
Die Projetleitung machte einen sehr positiven und motivierenden Eindruck auf mich, so dass ich mir eine Zusammenarbeit sehr gut vorstellen konnte.
Nach einer Fachrecherche (YouTube) hätte ich fast abgesagt, denn die dort gezeigten Bilder waren dermaßen negativ, dass ein langfristiger Aufenthalt nicht möglich erschien.
Bei genauerer Betrachtung der Videos stellte sich heraus, dass die Berichte auf unendliche Wiederholungen und immer denselben Bildern beruhten.
Natürlich ist uns allen der Brand in der Textilfabrik Rana Plaza mit über 1000 Toten im Jahr 2013 ein Begriff.
Umso wichtiger erscheint mir in einem Land Entwicklungszusammenarbeit leisten zu dürfen, in welchem wir als GIZ tatsächlich etwas bewegen können.
Daher sagte ich, wenn auch nicht ohne Bedenken, zu.
Damit beginnt die GIZ Maschine zu arbeiten.
Termine hier, Arzt-Besuche da- mit immer neuen Impfungen, diesmal waren: Dengue, Japanische Enzephalitis und Chikungunya angesagt.
Aber erst benötigte ich das Arbeitsvisum für Bangladesch.
Dies kann relativ unkompliziert bei der Botschaft - Online beantragt werden.
Wir erhielten die Information, dass das VISA in wenigen Tagen zur Verfügung steht, daher buchte ich den Flug und das Hotel.
Kurz vor der Ausreise erhielten wir die Information von der Botschaft aus Bangladesch, das sich die VISA Regelungen geändert haben und erst eine Sicherheitsprüfung von dem Partner aus Bangladesch vorgelegt werden muss - bevor ein VISA erteilt werden kann.
In einer Mail wurde mir dies sehr zu meinem Bedauern bestätigt. Verzögerung bis zu 2 Monate -hieß es in der Mitteilung.
Was tun, in Absprache mit der Projektleitung in BD erst mal den Flug storniert, den Hotel Termin verschoben und die Teilnahme an Veranstaltungen in Bangladesch abgesagt.
Als Information für Euch Leser, solltet ihr wissen, dass sich das Gehalt eines GIZ AMA aus mehreren Komponenten zusammensetzt.
Da ist das Grundgehalt und des Weiteren eine Zulage, welche sich je nach Einsatzland in der Höhe unterscheidet, die sogenannte Auslandzulage. Diese wird natürlich erst ab dem Tag der Ausreise bezahlt!
Daher ist mir daran gelegen, so schnell wie möglich auszureisen.
Der Flug war eigentlich für Samstag gebucht. Am Freitag, am späten Nachmittag erschien dann ein Paketboote an unserer Haustür welcher ein Einschreiben überbrachte. Inhalt war :"Mein PASS" mit gültigem Visa für Bangladesch!
Toll, das ist jetzt zu spät, denn Flug und Hotel sind ja bereits abgesagt.
Also auf ein Neues, Flug buchen, Hotel reservieren, Ankunft in BD vorbereiten.
Die Anreise mit Hindernissen
Da wir (meiner Frau und mir) noch eine ärztliche Untersuchung machen durften, war der Med. Dienst so freundlich uns am Tag vor meiner Ausreise diese Untersuchung zu ermöglichen. Was mir sehr recht war, denn durch das Fahrradfahren war ich ja ganz gut trainiert. Die Untersuchung beinhaltet einen Lungentest sowohl wie ein Belastungs-EKG.
Ich vermute, dass ich nach 6 Monaten (ohne Training) in Bangladesch nicht mehr so gut abschneiden werde ;-)
Natürlich nutzte der Dienst die Gelegenheit uns mit den sogenannten Zweit-Impfungen vollzupumpen.
Noch schnell die neuen Dienst Laptop bei der GIZ Zentrale in Eschborn abgeholt, dann war der Rest des Tages frei.
Ich sollte noch erwähnen, dass die Ausreise so geplant war, dass wir am diesem Morgen anreisten, also Abfahrt in Bückeburg um 05:00 Uhr um pünktlich um 9:00 Uhr am Morgen in Eschborn zu sein.
Da der Flug am nächsten Tag um 11:00 sein sollte (planten wir eine Übernachtung im Hotel), aber auch so hieß das für uns, um 8:00 Abfahrt vom Hotel, um genug Zeit für die Abfertigung durch den Zoll zu haben.
Den Abend verbrachten wir in einem gemütlichem Biergarten in Eschborn. Ein letztes Schnitzel, ein letztes Deutsches Bier...
Bangladesch ist ein Muslimisches Land daher werde ich wohl auf diese Delikatessen nicht zugreifen können.
Am Morgen dann, den kurzen Weg zum Flughafen gefahren und versucht den neuen Dienstcomputer am Zoll anzumelden.
Am ersten Schalter schickte man mich weg, da der Laptop ja im Handgepäck verwahrt ist.
Das war in 2017 noch anders ?
Beim Check In (Türkisch Airlines) sah man großzügig darüber hinweg, dass nur 50 kg erlaubt sind (ich hatte 51,8 kg) und nur zwei Handgepaeckstuecke anstelle des erlaubte EIN Handgepäckstück.
Das kenne ich von der Businessclass anders, es sind in der Regel 2 x 7 kg Handgepäck und ein Laptop zulässig. Aber wie gesagt, die Dame erlaubte mir das Übergepäck in großzügiger Weise.
Mit der Bemerkung, dass ich auf der Warteliste stehe, entließ sie mich?
Was heißt das denn nun schon wieder?
Warteliste?
Nach der Emigration fand ich den Zoll.
Dort wusste man nichts mit mir anzufangen und orderte einen Spezialisten an.
Nach einer Weile erschien der Beamte, durchblätterte die Unterlagen und gab mir diese zurück.
Kein Stempel oder so?
Ich hoffe, dass hier alles OK ist?
aber der Beamte sah so aus als wenn er weiß was er da macht, ganz im Gegensatz zu mir!
In der Wartezeit durfte ich "Zollgeschichten" lauschen. Denn ein erfahrener Kollege berichtete seinen jüngeren Kollegen von seinen Erfahrungen bei der Zollausfuhr. Spannend, was die so erleben und alles wissen müssen. Von Parfum bis zu Luxusuhren, über Pelze und seltene Tiere. Das ist ein Wissen mit dem ich mich normalerweise so gar nicht beschäftige!
Immerhin hatte ich nun alle Unterlagen (hoffe ich zumindest) und suchte die Business Class Lounge (Bei dienstlichen Reisen >6h Stunden dürfen wir tatsächlich (noch) Business fliegen).
Dort konnte ich die Wartezeit bis zum Abflug bequem verbringen.
In dieser Lounge darf man sich an verschieden Bufftes bedienen bzw sich mit Getränken versorgen.
Irgendwann bin ich in Istanbul. Glücklicherweise brauchte ich nicht erneut durch den Sicherheitscheck.
Das ist auch jedes Mal anders...
In Istanbul erst mal naseputzen und dann die Lounge suchen.
Das macht in Istanbul sehr viel Sinn, denn ein Kaffee kann hier schonmal eben 10 Euro oder mehr kosten. Die Sitzgelegenheiten sind in diesem riesigem Airport auch eher - sagen wir eingeschränkt.
Die Wartezeit ist recht schnell um = auch dank des guten Buffets.
Allerdings sollte ich davon berichten, dass ich in sage und schreibe - drei verschiedenen (falschen) Lounges war - zu welchen ich jeweils kein Zugang hatte und wo man mich höflich aber bestimmt wegschickte.
Irgendwann fand ich dann die Business Lounge und konnte dort konnte ich die Wartezeit (etwas über drei Stunden) überbrücken.
Da war ja noch was, das mit der Warteliste?
Also rechtzeitig zum Schalter.
Dort wurde mein Ticket umgeschrieben und neu ausgedruckt!
Immerhin durfte ich schon mal an Board!
Mein Platz gab es und war auch frei.
Daher Abwarten.
Kurze Zeit später kam ein Steward und versuchte mir und meinem Sitznachbarn etwas zu erklären.
Die Business Class sei ausgebucht Bla Bla.
Dann erst verstand ich was er uns sagen wollte: "die Sitze sind kaputt und lassen sich nicht verstellen".
Da aber keine anderen Sitze mehr frei waren, bedauere man die Umstände, könnte aber nichts machen!
Ob eine Entschädigung gezahlt werden könne, würde er prüfen (habe bislang nichts von gesehen)!
UND das bei einem 10 Stunden Nachtflug.
Immerhin schicket man uns nicht von Board!
Nach dieser dann doch recht anstrengenden Nacht erreichten wir irgendwann Dhaka.
Die Immigration verlief ruhig und höflich.
Allerdings muss man im Flieger so einen Papierzettel ausfüllen, denn ohne diesen geht nix!
Jetzt noch die Koffer und durch den Zoll.
Eine gewisse Grundspannung ist immer dabei, denn wir "Lang-Zeitler" stopfen immer die Koffer mit Wurst und Käse voll.
Aber heute das war unproblematisch.
Der Sicherheitsdienst trieb mich zum Ausgang, eigentlich wollte ich auf den Fahrer warten, so mit Pappschild und so.
Der Beamte hatte allerdings ein Schrotgewehr ähnliches Gewehr und damit die deutlich bessern Argumente.
Am Ausgang dann per WhatsApp mit den Kollegen telefoniert.
Tatsächlich erreichte mich der Shuttle Service des Hotels und ich durfte einsteigen.
Immerhin konnte ich so erste Eindrücke vom Verkehr in Bangladesch erwerben.
Dieser ist so Chaotisch wie in den Videos. Die Fahrer rangieren auf mm genau im engen Parkhaus mit viel zu großen Fahrzeugen.
Im Hotel nur noch unter die Dusche (kalt) und dann ins Bett.
Ich fand erst 2 Tage später heraus wie man warmes Wasser aus der Dusche herausbekommt - verrate ich aber nicht :-)
So - ich bin in Bangladesch, Dhaka angekommen.
Der erste Tag
Das Hotel ist ein gehobener Standard und entspricht diesem mit durchaus europäischen Preisen. Zwischen 80 bis 100 Euro pro Nacht.
Das Frühstücksbuffet ist gewöhnungsbedürftig, denn es bietet westliche als auch asiatische Standards.
Die "Wurst" ist eher grob, aber es gibt europäischen Käse und verschiedene Nüsse zur Auswahl!
Auch an den Kaffee ist man schnell gewöhnt, dann ist das Frühstück eigentlich gar nicht so schlecht.
Insgesamt versprüht das Hotel einen etwas in die Jahre gekommenen Charme.
Aber durch die Freundlichkeit der Angestellten wird das mehr als ausgeglichen.
Da ich jetzt drei Wochen im Hotel bin, begrüßt mich hier jeder mit: "Mr Oliver".
Am Mittag werde ich von meiner Kollegin abgeholt und sie zeigt mir ein wenig von Gulshan, dem Stadtteil in welchem wir wohnen und arbeiten werden.
Dhaka ist in mehrere Stadtteile aufgeteilt und wir bewegen uns mehrheitlich in Gulshan I und II. Das ist durch das Riskmanagement so vorgegeben.
Was dazu führt dazu, das wir AMA alle denselben Makler haben und irgendwie alle dieselbe Miete bezahlen (doch dazu später mehr).
Wir wandern durch die Straßen und sie zeigt mir den Geldautomat, welcher die geringsten Gebühren nimmt. Die Gebühren können schon mal schnell 10% der abgehobenen Summe betragen.
Am Geldautomat geben ich mal eben 250.000 BDT (Taka) ein.
Die Abhebung wird blockiert?
Na dann versuche ich es erst mal mit 100.000 Taka.
Das klappt.
Der Automat beginnt zu zählen und hört gar nicht mehr auf damit.
Nach einer gefühlten Ewigkeit spuckt der Automat dann doch tatsächlich 100 Tausend Taka Scheine aus!
Was machen mit den Stapel?
Also stopfe ich das Geld Bündel in die vordere Hosentasche.
Das waren jetzt 710 Euro und damit mal eben 2 - 3 Monatslöhne eines Arbeiters hier.
Zu blöd wenn man an die Regeln nicht kennt.
Normalerweise ist meine Tagessumme aus 500 Euro beschränkt (Also die maximale Bargeldabholung pro Tag).
Ich fühle mich nie Wohl so viel Bargeld mit mir herumzutragen.
Auf der anderen Seite kann es immer mal passieren, dass die ATM nicht funktionieren oder die Karte gesperrt wird.
Daher haben wir uns angewöhnt einen gewissen Bargeldbetrag "im Haus" zu haben.
Wir besichtigen noch kleinere Geschäfte, bis wir uns entschließen zu Mittag zu Essen.
Dazu besuchen wir ein Koreanisches Restaurant, wo es sehr gutes Essen zu relativ günstigen Preisen gibt.
Durch das herumlaufen sind wir so durchgeschwitzt, dass wir beschließen das es genug ist für heute.
Die Temperaturen sind eigentlich nicht das Problem, es ist eher die hohe Luftfeuchtigkeit. welche mich zum Schwitzen bringt.
Die Kombination aus Schlafmangel, der langen Anreise ohne Sitzverstellung, die Impfungen, ein neues Klima, ungewohntes Essen und der Zeit Verschiebung sind für heute genug und ich bin froh zurück im Hotel zu sein.
Noch immer ist die Dusche kalt aber mit reicht die Bewegung für heute, Netflix und Co. erwarten mich bereits.